Wir brauchen mehr Fairness!

Christopher Jahns, Präsident der European Business School, sagt in einem Interview für die Wirtschaftswoche, dass wir wieder mehr ethische Werte im Geschäftsleben brauchen. Ich finde er hat Recht. Und besonders interessant sind die Kommentare – aber dazu später. Hier das Interview online.

 Mir gefällt vor allem die Antwort auf die Frage “Wollen Sie den Kapitalismus abschaffen?”. Da sagt der Chef einer Kaderschule für Top-Manager: “Darum geht es nicht – entscheidend ist die Frage, ob das, was ich als Unternehmer oder Manager mache, anderen schadet und wie man unternehmerisches und ethisches Handeln unter einen Hut bekommt. Die Ethik ist in den vergangenen Jahren eindeutig zu kurz gekommen.” 

Es geht genau darum, dass kurzfristiges Denken und Gewinnmaximierung auf Kosten anderer immer mehr dazu führt, dass genau das Gegenteil passiert. Ich frage mich immer schon, wann die Unternehmen begreifen, dass Menschen nur dann etwas kaufen können -und wollen – wenn sie auch Geld verdienen. 

Durch die Aldisierung des Einkaufs geschieht aber doch nur eines: Die Unternehmen müssen Kosten senken, um immer billiger zu werden. Doch wo geht das am besten? Ja, bei den Mitarbeitern. Also: Mitarbeiter raus, damit wir weiter “20% auf alles” geben können. 

Mir hat einer der Unternehmer, die Professor Jahns wohl bei seiner These im Kopf hatte, vor Jahren etwas gesagt, das ich mir für meine Arbeit zu Herzen genommen habe: “Bevor ich einen Mitarbeiter entlasse, trete ich meinen Verkäufern massiv in den Hintern.” 

Und genau darum geht es, weg vom Verkaufen über den Preis. Wenn wir in den Unternehmen weniger Rabatte geben, verdienen wir mehr Geld und können Mitarbeiter einstellen oder halten. Aber dazu ist eine Ethik auf beiden Seiten nötig – bei allen Kunden. Ob privat oder B2B spielt keine Rolle. 

Es ist z.B. nicht ok, das riesen Sortiment eines MediaMarkt oder Saturn zu nutzen, um sich die Produkte ansehen zu können und dann wegen 10 Euro im Internet zu kaufen. Genau so ist es im B2B nicht ok, sich Konzepte liefern zu lassen – natürlich ohne sie zu bezahlen – um dann bei einem Billiganbieter zu kaufen und ihm das Konzept des Top-Anbieters als Spezifikation vorzulegen. 

Ich weiß, dass meine PROFITSELLER nur dann erfolgreich sein können, wenn auf der Kundenseite wenigstens ein Funken Moral und Ethik existieren. Denn nur dann werden die Mehrwerte dieser Verkäufer auch wirklich akzeptiert und bezahlt. Ein PROFITSELLER wird seinem Kunden immer einen fairen Preis machen, der für beide Seiten passt und mit dem sowohl der Kunde als auch der Lieferant gut leben können. 

Und daher unterstütze ich die Initiative von Professor Jahns absolut und freue mich sehr darüber. Denn wenn er als Experte für Einkauf und Logistik Einkäufer ausbildet, die wieder ethischen Werten folgen und wir Verkäufer darin trainieren, Kunden auf dieser Ebene begegnen zu können, haben wir eine gute Chance, dass es mit unserer Wirtschaft aufwärts geht. 

Ich hoffe, dass Professor Jahns sich mit seinem Ansatz durchsetzt und wir wirklich wieder Werte ins Geschäftsleben bekommen, die von gegenseitiger Wertschätzung geprägt sind. Ganz im Sinne “ehrbarer Kaufleute” und nicht “raffgieriger Abzocker”. 

Und es ist sehr interessant zu sehen, was an Kommentaren zu seinem Artikel kommt. Kaum einer geht auf den Inhalt der Aussage ein. Es gibt wohl anscheinend Neider, die nichts anderes tun, als ihn zu diffamieren. Und das natürlich anonym. Es ist schade, dass ein guter Ansatz von Neidern oder eifersüchtigen Menschen schlecht gemacht wird. 

Aber auch dazu bräuchten wir etwas: Werte und Ethik in der Gesellschaft allgemein. 

Als PROFITSELLER wünsche ich Herrn Professor Jahns viel Erfolg und: Bleiben Sie auf Kurs!

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2 Kommentare zu „Wir brauchen mehr Fairness!“

  1. M.Klotz sagt:

    Lieber Thomas,
    danke für diesen Beitrag, der mir aus der Seele spricht und voll auch meinen Überzeugungen entspricht. Schon lange frage ich mich, warum wir mit unserer Geiz-ist-Geil-Mentalität uns nur selbst den Ast absägen auf dem wir sitzen. Diese Spirale muss gestoppt werden. Ein Beispiel: Jeder will für 30 Euro nach London fliegen, vergisst aber dabei, dass die Anbieter, die solche Preise ermöglichen, ihre Flugzeuge nicht mehr in Deutschland warten lassen und hier (fast) kein Arbeitsplatz haben/schaffen/ermöglichen. Jede Buchung eines Billigfliegers bedeutet Abbau von weiteren Arbeitsplätzen. Wir laufen aber blind jedem preislichen Traumangebot hinterher.
    Auch ich verfolge den ethischen Weg in meinem Buch (http://www.competence-selling.de) und hoffe, es schliessen sich noch viel mehr Menschen diesen Gedanken an.
    Nach vorne geht es nur, wenn wir alte Werte wieder liebgewinnen.

  2. Claudia Wohlhüter sagt:

    Das finde ich ganz wunderbar, dass immer mehr kluge Menschen, das Thema Ethik und Moral im Wirtschaftsleben aufgreifen und hoffentlich so auch in den Köpfen der Menschen einpflanzen. Eben habe ich gelesen, dass die IHK Fulda sich in einer Resolution zum Leitbild des „Ehrbaren Kaufmanns“ bekennt. http://www.ihk-koblenz.de/servicemarken/ueber_uns/unser_ehrenamt/vollversammlung/ehrbare_kaufmann.jsp

    Schimpfen auf die doofen Anderen lässt sich immer schnell. Jeder sollte erstmal bei sich selbst beginnen und genau das eigene Kaufverhalten unter die Lupe nehmen. Es ist schon absurd: Da rennen wir scharenweise in all die Kaufhäuser, die mit den höchsten Rabatten werben und wollen zugleich für die eigene Leistung angemessen entlohnt werden. Wir bestellen im Internet und beschweren uns, dass die kleinen, netten Geschäfte mit tollem Service reihenweise schließen. Ein nicht allzu schwer zu durchschauender Widerspruch. Weniger Egoismus und dafür mehr Weitsicht würden uns allen gut tun!

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